Letztes Jahr war sie in Allermunde, wenn es um die HIV-Prävention ging: die PreP. Was aber genau steckt hinter diesen „neuen“ Therapie? Und für wen ist sie empfehlenswert? Wir haben mit Obmann Wolfang Wilhelm von der Aids Hilfe Wien gesprochen.

Was sagen Sie, als Obmann der Aids Hilfe Wien, zum Thema PreP?

Nun, wir wissen, dass die PreP gut funktioniert und damit ein weiterer, wichtiger Puzzlestein im Bereich der Prävention wird. Für manche Menschen, in speziellen Lebensumständen oder einer bestimmten Lebensphase, kann die PreP durchaus die optimale Präventionsmethode sein.

Dank der PreP ist die HIV-Prävention vielfältiger geworden, im Vergleich zur Mitte der 80er Jahre, als es nur das Kondom gab. Das bedeutet jedoch auf der anderen Seite auch, dass die Frage der individuell bestgeeigneten Präventionsmethode noch komplexer und gute Beratung dadurch noch wichtiger geworden ist.

Wolfgang Wilhelm

Wolfgang Wilhelm, Obmann der Aids Hilfe Wien

Wie sieht es mit den Kosten für die PreP aus?

Die PreP wird von den Krankenkassen in Österreich nicht bezahlt. Es gibt aber zwei Apotheken in Wien, die sie für 60 Euro im Monat abgeben.

Und wie gut schützt die PreP vor anderen Krankheiten, neben HIV?

Wir wissen, das Kondom schützt sehr, sehr, sehr sicher vor HIV und es reduziert die Wahrscheinlichkeit von Übertragungen anderer sexuell übertragbaren Krankheiten massiv. Manche davon sind Schmierinfektionen, da schützt das Kondom natürlich nur ein wenig, aber es reduziert die Übertragungswahrscheinlichkeit.

Die PreP schützt genauso sicher wie das Kondom vor HIV, allerdings vor keiner anderen sexuell übertragbaren Krankheit. Hier ist demnach natürlich die Gefahr, wenn Menschen das Kondom weglassen, dass die anderen Infektionen stärker verbreitet werden.

Die Zielgruppe der Prävention durch PreP sind jedoch nicht jene, die bisher gut mit Kondomen umgehen konnten, sondern jene, die Kondome gar nicht oder nicht regelmäßig verwenden. Gründe dafür kann etwa Suchtmittelkonsum im sexuellen Kontext sein. Dann fällt der Vergleich zwischen PreP und gar keinem Schutz natürlich zugunsten der PreP aus.

Ein Kondom schützt nur dann, wenn man es auch verwendet. Das gilt natürlich auch bei der PreP. Diese muss, um wirklich gut zu schützen, täglich eingenommen werden. Dazu kommen regelmäßige Begleituntersuchungen.

Wie oft finden diese Untersuchung statt?

Alle drei Monate. Getestet wird auf HIV, Syphilis und Tripper. Zusätzlich wird noch ein Blutbild gemacht sowie genitale, anale und orale Abstriche.

Werden die Untersuchungen von der Kassa erstattet?

Nein. Die Untersuchungen müssen die Betroffenen selbst bezahlen und damit sind wir dann schon deutlich über den 60 Euro, die das Medikament alleine kostet.

Am Wichtigsten ist, dass man sich auf jeden Fall auf HIV testen lässt bevor man mit der PreP beginnt. Nur Menschen, die noch nicht infiziert sind, dürfen die PreP einnehmen. Ein ausführliches Beratungsgespräch bei einem/einer auf HIV-spezialisierten Arzt oder Ärztin ist Grundvoraussetzung vor dem Beginn der PreP-Einnahme!

Gibt es etwas, dass man bei Einnahme der PreP unbedingt beachten muss?

Ja. Auf keinen Fall darf man sich die PreP einfach so holen und ohne Aufsicht des Arztes/der Ärztin einnehmen. Die PreP besteht aus demselben Wirkstoff wie eines der Medikamente, welche bei einer positiven HIV-Infektion verabreicht werden. Bei falscher Einnahme kann der Virus eine Resistenz entwickeln und das wäre für die Behandlung von HIV-positiven Menschen mit diesem Wirkstoff fatal.

Hat die PreP irgendwelche Nebenwirkungen?

Da die PreP ein Medikament ist, welches über einen längeren Zeitraum eingenommen werden muss, kann es natürlich sein, dass sie Nebenwirkungen hat, etwa im Bereich der Nieren oder der Knochendichte. Bei der Einnahme muss bedacht werden wie lange das Medikament genommen wird. Vielleicht nur ein, zwei Jahre, bis man wieder eine Beziehung mit einem Partner hat? Oder wird die PreP doch die nächsten 20 Jahre genommen?

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der PreP?

Wichtig ist, dass wir die PreP österreichweit für einen günstigen Preis zur Verfügung stellen können, dass wir bei den Begleituntersuchungen eine einheitliche Regelung finden und, dass wir, vor allem über die Aids Hilfen, eine gute PreP-Beratung haben. Das also die Menschen die PreP bekommen, die sie wirklich brauchen.

Und im medizinischen Bereich ist es wichtig mehr über die Wechselwirkungen der PreP mit anderen Medikamenten zu forschen, da wir hier leider noch viel zu wenige Zahlen vorliegen haben.

Autorin: Alexandra Moser
Bilder: Fotolia | Wilke

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